Taktik und Gespür in Meetings – Die Regeln im Spiel um die Macht

von Katharina Daniels

Frauen haben keine Lust auf Macht? Vielleicht liegt es einfach daran, dass so manche Spielregel im Aufstiegspoker um die Macht Frauen nicht so geläufig ist wie männlichen Alphatieren. Ein Spiel und seine Spielregeln aber sind erlernbar – und machen dann auch richtig Spaß. Eben: Lust auf Macht!

Fachautorin Katharina Daniels stellt bei personal-erfolg.de in fünf Folgen fünf wichtige Strategien vor.  Folge zwei beschäftigt sich mit Meetings.


Frau Meeting


Beginnen wir einfach mal mit einer kurzen Definition:

“Meetings sind vom Vorgesetzten anberaumte Treffen, um auf sachlicher Ebene und mit hohem fachlichem Anspruch wichtige Punkte miteinander zu klären.”

Ja? Ist das so? Nun, diese Deutung des Kriegsgeschehens im Business-Outfit dürfte so fern der Realität sein wie der Glaube an fliegende Untertassen.

Egal, ob Milliarden-Merger oder anstehende Weihnachtsfeier - in Sitzungen wird mehr oder minder offensichtlich gepokert: um Macht, Ressourcen und Zuständigkeiten.

Wer glaubt, hier ginge es demokratisch zu, hat schon verloren.

Meetings als Schauplatz für Machtkämpfe

Leider erkennen bislang zu wenige Frauen dieses Spielfeld als wichtigen Schauplatz, auf dem sie ihre Machtbasis sichtbar für alle anderen ausweiten können.

Wer hier nicht taktisch gut gerüstet ist, muss damit rechnen, dass seine Machtposition unterwandert wird.

Noch dramatischer gestaltet sich die Situation, wenn Sie sich auch noch zutiefst beleidigt fühlen, sobald einer oder mehrere Teilnehmer Sie während einer Sitzung scheinbar aus dem Nichts angreifen. “Ich habe dem doch gar nichts getan”, denken dann viele.

Sehen Sie es doch einfach mal andersrum: Angriffe sind ein Kompliment. Viel schlimmer ist es, ignoriert, als unwichtig betrachtet zu werden.

Wie können Sie sich für eine Sitzung fit machen?


Ein paar Regeln für die Vorbereitung:

1. Im Meeting wird nichts entschieden.

Die wichtigste Erkenntnis: Die Entscheidung, die hier vermeintlich fallen soll, ist schon lange gefallen, bevor Sie sich überhaupt auf den Weg zum Meeting machen.

Das Meeting ist “lediglich” die offizielle Plattform.

Das wirklich Wichtige, was hier passiert, ist das Abstecken der jeweiligen Reviergrenzen.

2. Beobachten Sie die ersten Bewegungen.

Wer von den Teilnehmern betritt wann den Raum? Wer erlaubt es sich, zu spät zu kommen?

Könnte er damit das Signal senden, dass er eigentlich Wichtigeres zu tun hat? Dass seine Zeit kostbar ist, kostbarer als die der anderen?

3. Warten Sie das Vorspiel im Sitzungsraum ab.

Wer nimmt wo Platz? Wer begrüßt wen? Wer lehnt sich bereits aufmerksam vor? Wer fläzt entspannt im Sessel und tippt vielleicht noch auf dem Smartphone rum?

Nur einige Punkte, an denen Sie identifizieren können, wer Anspruch auf Führung hegt oder diese Position verteidigt.

Erst wenn diese nonverbalen kleinen Machtrituale geklärt sind und Ruhe einkehrt, ist die Zeit gekommen, sich dem Thema selbst zu widmen.

Versuchen Sie auf keinen Fall, vorher für ihr Anliegen Gehör zu finden!

Das geht unter, viel schlimmer, Sie machen sich von vornherein klein und werden dann nicht mehr ernst genommen.

Spielen Sie besser mit, um Ihre Machtposition auszubauen. Wenn Sie noch keine Machtstellung beanspruchen können, üben Sie sich trotzdem im kunstvollen Abwarten, bis Sie Ihr Thema platzieren.


Kluge Schachzüge im Meeting:

1. Gewinnen Sie die Aufmerksamkeit.

Richten Sie Ihre erste Frage, Ihren ersten Vorschlag, immer an die mächtigste Person in diesem Meeting. 

Wenn diese Ihnen zuhört, hören Ihnen alle anderen automatisch auch zu.

2. Treffen Sie konkrete Aussagen.

Benutzen Sie nicht “würde”, “könnte”, “sollte”. Sagen Sie “Ich” nicht “Wir”.

3. Bleiben Sie höflich und respektvoll.

Das gilt besonders in krisenhaften Situationen.

Vermeiden Sie Belehrungen oder Schuldzuweisungen oder gar persönliche Attacken.

Das haben Sie gar nicht nötig!

4. Entschuldigen Sie sich nicht.

Wenn Sie Forderungen stellen, leiten Sie dies niemals mit einer Entschuldigung ein.

Damit würden Sie sich sofort ins Unrecht setzen. Begründen Sie Ihre Forderung kurz, knapp und präzise.

5. Lassen Sie sich nicht unterbrechen.

Einzig Ihr Vorgesetzter ist dazu berechtigt, Sie während Ihres Vortrages zu stoppen.

6. Verfallen Sie nicht dem Lächelreflex.

Besonders dann nicht, wenn das Thema keinen Anlass zum Lächeln bietet. In diesem Fall würde das als Geste des sich Unterwerfens gedeutet.

7. Reagieren Sie keinesfalls spontan emotional.

Wenn Sie angegriffen werden (“Das ist doch alles Unsinn, was Sie da reden!”), ist eine emotionale Reaktion nicht die richtige Lösung.

Atmen Sie tief ein, sagen Sie sich innerlich “Stopp”!

Überlegen Sie sich in dieser entscheidenden Sekunde, ob Sie sachlich kontern, eine Vertagung des Punktes vorschlagen oder ob Ihnen ein Mittelweg einfällt.

Fordern Sie Ihr Gegenüber zum Beispiel auf: “Erläutern Sie doch bitte, was Sie genau meinen?”

In keinem Fall sollten Sie in die Falle tappen, sich zu verteidigen oder zu beklagen:

“Never explain, never complain!”

8. Lassen Sie Ihren Gegner sein Gesicht wahren.

Achten Sie immer darauf – auch in der angespanntesten Situation – dass Sie Ihren Gegner nicht unter der Gürtellinie angreifen.

Dass Ihr Gegner seine Würde wahren kann, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um trotz möglicher heftiger Dispute auch in Zukunft konstruktiv miteinander arbeiten zu können.


Katharina Daniels, FachjournalistinKatharina Daniels, Mitautorin des Buches “Lust auf Macht”, ist Fachjournalistin und PR- und Kommunikationsberaterin.

Sie begleitet Führungspersönlichkeiten in ihrer öffentlichkeitswirksamen Darstellung.

Ihre Beiträge in diesem Blog skizzieren wichtige Aspekte des Buches, ohne textgleiche Auszüge des Buches zu sein.



Lust auf Macht
Wie (nicht nur) Frauen an die Spitze kommen

Autorinnen: Katharina Daniels, Andrea Och
Verlag: Linde
ISBN: 9783709304938
Preis: 19,90 Euro

Das Buch “Lust auf Macht” können Sie hier erwerben.


Lesen Sie auch Folge eins der Serie

Frauen Hierarchien TeaserAd


Bildnachweis (in der Reihenfolge des Erscheinens):
©iStockphoto.com/Deklofenak
Katharina Daniels

Ein Kommentar

  1. Hallo Frau Daniels,
    danke für dein Beitrag – er bringt das Thema pointiert auf den Punkt!

    Wie es der Zufall so will, erschien heute bei mir auf HRweb.at ein Artikel in ähnlicher Richtung: “Meetingkultur – 5 Bausteine für effizientere Besprechungen” (http://www.hrweb.at/2013/08/meetingkultur-5-bausteine-fur-effizientere-besprechungen/).

    Ich freue mich auf weitere Beiträge in diese Richtung!

    Lg, Eva Selan

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