Selbstbewusst und gar nicht bescheiden – Die Regeln im Spiel um die Macht

von Katharina Daniels

Frauen haben keine Lust auf Macht? Vielleicht liegt es einfach daran, dass so manche Spielregel im Aufstiegspoker um die Macht Frauen nicht so geläufig ist wie männlichen Alphatieren.

Ein Spiel und seine Spielregeln aber sind erlernbar – und machen dann auch richtig Spaß. Eben: Lust auf Macht! Wir stellen in fünf Folgen fünf wichtige Strategien vor. Folge vier beschäftigt sich mit der Kunst der Selbstdarstellung und der Eigenwerbung.


Entdecken Sie Ihre Möglichkeiten


Überlegen Sie einmal ganz genau:

Wann, und wenn ja wie oft, haben Sie für sich selbst, für Ihre Erfolge und Ihre Expertise die Werbetrommel gerührt?

Haben Sie es überhaupt schon einmal gemacht?

Oder gehören Sie zum Großteil der Frauen, die – trotz unbestreitbarer beruflicher Erfolge – es als peinlich empfinden, darauf hinzuweisen? Die berechtigten Stolz auf die eigene Leistung und Kompetenz mit Schaumschlägerei verwechseln?

Selbst Dr. Christine Stimpel, Managing Partner und Mitglied des Global CEO & Board of Directors von Heidrick & Struggles, sagte bei einer Podiumsdiskussion: “Es ist doch wirklich unangenehm, sich selbst zu loben. Das machen wir Frauen doch nicht gerne!”

Zu viel Bescheidenheit ist fehl am Platz

Ein Schlüssel liegt wohl in der Erziehung zur Bescheidenheit, zur Ermahnung, sich nicht aufzuspielen und ja nicht zu glauben, man sei etwas Besseres – diese Gebote sitzen tief.

Für Mädchen entsteht aus dieser Konditionierung frühzeitig ein gravierender Nachteil im späteren Berufsleben.

Begründeter Stolz auf sich selbst wird zum blinden Fleck. Also flüchten sich erwachsene Frauen im Berufsleben in die perfekte Leistung, um Anerkennung und Auszeichnungen zu erhalten – und scheitern.

Klappern gehört zum Geschäft

Denn in der überwiegenden Zahl der Unternehmen herrscht eine völlig andere Realität.

Derjenige wird befördert, der seine Leistung besonders gut verkauft. Wenn dann auch wirklich gute Leistung dahintersteckt – prima!

Nicht selten aber steigen zunächst diejenigen auf, die besonders laut auf sich aufmerksam machen.

Natürlich kommt dieses Modell an seine Grenzen, je höher die Position ist.

Für nachhaltigen Erfolg sind fundiertes Wissen und Können unverzichtbar.

Doch wie viel leichter könnten wir unsere eigenen Ziele erreichen, wenn wir selbst dafür sorgen, mit unseren Kompetenzen sichtbar zu werden, weil sie nicht nur für unser eigenes Fortkommen sondern auch für andere – etwa unseren Vorgesetzten oder unsere Abteilung – wertvoll sind.

Die fünf wichtigsten Tipps, um gesehen zu werden:


1. Überbringen Sie selbst die Botschaft Ihres Erfolgs! Und schützen Sie Ihre Erfolge!

Häufig wissen Chefs nicht so genau, wer von ihren Mitarbeitern was leistet.

In vielen global agierenden Unternehmen gibt es zudem eine räumliche Trennung, so dass Vorgesetzter und Mitarbeiter sogar in verschiedenen Ländern und Zeitzonen arbeiten.

Also sorgen Sie dafür, dass Sie die gute Botschaft Ihres Erfolgs überbringen!

Etwa in Gestalt regelmäßiger E-Mails, in denen Sie mitteilen, woran Sie derzeit konkret arbeiten, wie der aktuelle Stand ist und welche Erfolge auf Sie zurückzuführen sind.

Ihr Vorgesetzter kann Sie besser einschätzen und damit auch wertschätzen.


2. Achten Sie auf Zusammentreffen mit den wirklich Einflussreichen!


3. Nehmen Sie spontane Einladungen Vorgesetzter an – und spielen Sie nicht die Arbeitsbiene!

Angenommen, Ihr Vorstand oder ein anderer Top-Manager lädt Sie überraschend zu einem spontanen Umtrunk ein. Es ist bereits 19 Uhr und Sie bearbeiten gerade zusammen mit Ihrem Kollegen eine wichtige Kundenpräsentation für den nächsten Tag. Diese Einladung passt Ihnen momentan gar nicht.

Gleiches gilt für Ihren Kollegen. Doch was macht er? Sofort lässt er alles stehen und liegen und nimmt die Einladung ohne zu zögern wahr. Klar, Sie machen das schon. Auf Sie ist eben Verlass.

Doch Vorsicht! Ist das eine gute Idee, wenn wir bedenken, dass 60 Prozent unseres beruflichen Fortkommens von unseren guten Beziehungen abhängen?

Außerdem könnten Sie den Einladenden verprellen.

Also raus aus Ihrem Büro.

Nehmen Sie die Einladung ebenfalls ohne Zögern an! Wer sich im Kreis wichtiger Entscheidungsträger bewegt, der wird automatisch von anderen ebenfalls als wichtig eingestuft.

Andernfalls dürfen Sie sich nicht wundern, wenn Ihr Kollege trotz schlechterer Leistung an Ihnen auf der Karriereleiter in Kürze vorbeizieht.

Notfalls stehen Sie eben am nächsten Tag ein, zwei Stunden früher auf und perfektionieren Ihre Präsentation!


4. Gehen Sie abends mit an die Bar, seien Sie keine Spaßbremse!

Gleiches gilt für die berühmt berüchtigte Bar am Abend, etwa nach Führungskräftemeetings.

Kaum etwas verbindet mehr als gemeinsame Erlebnisse abseits der Arbeit.

Sie haben dazu keine Lust? Dort werden immer nur dämliche Witze gerissen?

Aber was wäre, wenn hier um Zuständigkeiten, Geld und Positionen, also schlicht um Macht gepokert würde?

Wenn Sie aufsteigen wollen, sollten Sie dieses Spiel mitspielen.


5. Lassen Sie sich auszeichnen! Glänzen Sie!

Für jeden Fachbereich, für jede Branche gibt es heute Preise und Auszeichnungen, die von Medien, Verbänden, Unternehmen oder anderen Initiativen verliehen werden.

Mit einem Preis wird eine Leistung elegant von einem mehr oder weniger unabhängigen Dritten anerkannt.

Eine Referenz, die leider von Frauen viel zu häufig unterschätzt wird.

Eine Übersicht zu Preisen, die verliehen werden, finden Sie zum Beispiel hier: www.biz-awards.de.


Katharina Daniels, FachjournalistinKatharina Daniels, Mitautorin des Buches “Lust auf Macht”, ist Fachjournalistin und PR- und Kommunikationsberaterin.

Sie begleitet Führungspersönlichkeiten in ihrer öffentlichkeitswirksamen Darstellung.

Ihre Beiträge in diesem Blog skizzieren wichtige Aspekte des Buches, ohne textgleiche Auszüge des Buches zu sein.



Lust auf Macht
Wie (nicht nur) Frauen an die Spitze kommen

Autorinnen: Katharina Daniels, Andrea Och
Verlag: Linde
ISBN: 9783709304938
Preis: 19,90 Euro

Das Buch “Lust auf Macht” können Sie hier erwerben.


Lesen Sie auch:

Teil 1 der Serie: Vom klugen Umgang mit Hierarchien – Die Regeln im Spiel um die Macht

Teil 2 der Serie: Taktik und Gespür in Meetings – Die Regeln im Spiel um die Macht

Teil 3 der Serie: Den Einflussreichen auf der Spur – Die Regeln im Spiel um die Macht


Frauen in Führungspositionen zu selten – Keine Lust auf Macht

Karriereleiter


Bildnachweis:
© SP-PIC – Fotolia.com

Hinterlassen Sie uns einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>