Erholsamer Schlaf ist das neue Leadership-Instrument

Immer mehr arbeiten als die Konkurrenz und dazu permanent durch die Welt jetten – das hinterlässt auf Dauer Spuren. Eine Studie hat ergeben, dass viele Manager unter Schlafstörungen leiden.

Müssen die Top-Leader tatsächlich mit weniger Schlaf auskommen – oder ist es endlich Zeit für einen Wandel in der Arbeitswelt? 


Powernapping


Schlafstörungen gehören für viele Frauen und Männer in Führungspositionen zum Alltag – vor allem deshalb, weil sie zu viel Stress und kaum Zeit für ihre persönlichen Bedürfnisse wie Ruhe und Entspannung haben.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Max-Grundig-Klinik in Bühl brachte ans Licht, dass über 59 Prozent der Führungskräfte unter Einschlafproblemen leiden oder jede Nacht mehrmals aufwachen.

Besonders häufig sind Manager über 45 Jahre von Schlafproblemen betroffen, Frauen scheinen etwas stärker darunter zu leiden als Männer. Als Gründe für ihre Schlaflosigkeit nannten die befragten Managerinnen und Manager ständiges Reisen, oft über mehrere Zeitzonen hinweg, sowie permanente Arbeitsüberlastung.

Viele von ihnen bleiben bis in die späten Abendstunden im Büro und gönnen sich zwischendurch noch nicht einmal ein Powernapping – mit gravierenden Folgen.

Die Leistungsfähigkeit der übermüdeten Manager lässt rapide nach, unter dem Schlafmangel leidet ihre Konzentration ebenso wie ihre Kreativität. Kurz gesagt: Wer zu wenig schläft, kann nicht genügend leisten.

Von der erfolgreichen Karriere direkt in den Burnout?

Die häufig immer noch gängige Auffassung, dass nur Menschen, die viel – und vor allem lange – arbeiten, auch viel leisten, setzt vor allem die Leader unter Druck.

Wer sich über viele Jahre nicht abgrenzen und dem Arbeitsdruck nichts entgegensetzen kann, brennt dabei unweigerlich aus. Der Ärztliche Direktor der Max-Grundig-Klinik, Dr. Thorsten Kienast, bekommt in seiner Praxis solche Fälle oft zu sehen.

Aus seiner Sicht ist Burnout ein Risikozustand, der vor allem die Leistungsträger der Gesellschaft trifft und meist viele Jahre braucht, um sich zu entwickeln.

Die mit Hingabe und Konsequenz verfolgte berufliche Karriere führt irgendwann nicht nur zu – oft beachtlichen – Erfolgen, sondern auch zu Erschöpfung, Depressivität und innerer Leere sowie zu verschiedenen psychosomatischen Symptomen.

Burnout-Opfer verlieren die Freude an ihrer Arbeit und empfinden sie als Last, können sich auch in ihrer Freizeit oder im Urlaub nicht mehr erholen, verlieren ihre Kreativität und reagieren auf ihr Umfeld verärgert und gereizt.

Verwandten, Freunden und Kollegen fallen die Persönlichkeitsveränderungen der Betroffenen in der Regel deutlich auf – diese selbst wollen lange nicht wahrhaben, dass sie geradewegs in einen Burnout driften.

Müde Manager machen Fehler

Schlafstörungen sind unter anderem ein Stress-Symptom und irgendwann hilft gegen den permanenten Schlafentzug auch kein Powernapping mehr.

Wer dauerhaft zu wenig schläft, bekommt nicht die nötige Erholung – das führt irgendwann zu nachhaltiger Erschöpfung.

Trotzdem brüsten sich gerade Top-Manager gern damit, wie wenig Schlaf sie brauchen.

Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube erwähnte in Interviews bereits mehrfach, dass ihm pro Nacht vier Stunden Schlaf völlig reichen. Eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach unter 517 Spitzenmanagern zeigt, dass es einem Drittel der Manager in Deutschland ähnlich geht – man müsse in so einer Position einfach mit wenig Schlaf auskommen, bestätigen sie.

So schläft ein Fünftel der Befragten pro Nacht nicht länger als fünf Stunden. Zwar findet jeder zweite Manager, dass er zu wenig Schlaf bekommt – wie wichtig Erholung durch genügend Schlaf ist, unterschätzen die meisten trotzdem.

Der US-amerikanische Schlafforscher und Harvard-Professor Charles Czeisler formuliert es plakativ – aus seiner Sicht handeln müde Manager wie Betrunkene. Sein Kollege Mark Rosekind kommt zu dem Schluss, dass Menschen rund 50 Prozent ihrer Entscheidungsfähigkeit sowie 20 Prozent ihrer Gedächtnisleistung verlieren.

Für Unternehmen kann es aber schwerwiegende Folgen haben, wenn das Management wegen Übermüdung Fehler macht.

Die Lösung: Siesta oder Powernapping?

PowernappingIn Spanien und anderen Mittelmeerländern gibt es bis heute die sehr angenehme Tradition der Siesta, leistungsbewusste Asiaten bevorzugen dagegen oft ein kurzes Powernapping im Büro.

Nach Meinung von Experten sind sowohl Siesta als auch Powernapping sehr gesund und verbessern die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter.

Längst gibt es Diskussionen darüber, ob nicht auch die Deutschen an ihrem Arbeitsplatz ein Nickerchen halten sollten – durchgesetzt hat sich die Schlafkultur am Arbeitsplatz allerdings noch nicht.

Schlafforscher betonen zwar immer wieder, dass sich ein Powernapping im Arbeitsalltag als echter Energie-Booster erweist. Ein Manager, der solch einen Kurzschlaf in seinen Tagesablauf integriert, würde von seinen Kollegen dafür vermutlich noch immer belächelt.

Arianna Huffington: “Müdigkeit ist der Feind der Kreativität”

Eine Top-Managerin, die sich öffentlich immer wieder für mehr Schlaf und auch ein “offizielles” Powernapping engagiert, ist Arianna Huffington.

Die Chefredakteurin der US-amerikanischen Online-ZeitungHuffington Post” befindet, dass Müdigkeit der Feind der Kreativität und des Erinnerungsvermögen ist. Deshalb plädiert sie in ihren öffentlichen Reden immer wieder für mehr Schlaf – gerne auch am Arbeitsplatz.

Im New Yorker Büro ihrer Zeitung gibt es zwei Ruheräume, in denen Mitarbeiter einen Mittagsschlaf oder ein Powernapping halten können, ohne dafür stigmatisiert zu werden.

Huffington will einen Beitrag dazu leisten, dass sich die Arbeitskultur wandelt. Menschen sollen an ihrem Arbeitsplatz mehr Freiraum für ihre Bedürfnisse erhalten, darunter auch genügend Schlaf und die Möglichkeit zu einem Powernapping.

Was bringt dieser Wandel der Arbeitskultur?

  • Menschen arbeiten produktiver und kreativer, erzielen bessere Arbeitsergebnisse, benötigen dafür jedoch auch entsprechend angepasste Arbeitsformen.

  • Die von Huffington angestrebte Veränderung der Arbeitswelt hat zur Folge, dass es keine starren Anwesenheits- und Pausenzeiten mehr geben kann.

  • Die Arbeit wird innerhalb einer vereinbarten Gesamtarbeitszeit erledigt.

  • Die Voraussetzung ist, dass Firmen und Mitarbeiter im Rahmen eines solchen Konzepts deutlich flexibler werden.

Auch Manager sollten nach ihrem Biorhythmus leben

Und noch ein Faktor ist wissenschaftlich nachgewiesen und hat auf die persönliche Leistungsfähigkeit eine große Auswirkung:

Wer ständig gegen seinen Biorhythmus lebt, hat keine Chance auf nachhaltige Erholung und gesunden Schlaf. 

Wenn Sie von Natur aus eher ein Langschläfer sind, werden Sie sich kaum erholen, wenn das erste Meeting jeden Morgen um 7 Uhr beginnt, Sie aber erst nach 1 Uhr nachts ins Bett gegangen sind. Umgekehrt werden Sie als Frühaufsteher Probleme mit regelmäßigen Abendveranstaltungen haben.

Schlafforscher haben diese beiden Varianten nach Vorbildern aus der Vogelwelt benannt: ”Lerchen” fällt es leicht, frühmorgens aus dem Bett zu kommen, dafür werden sie abends schneller müde als die meisten anderen Menschen. “Eulen” sind zwar abends lange leistungsfähig, jedoch ausgesprochene Morgenmuffel.

Die Manager-Studie der Max-Grundig-Klinik förderte zutage, dass sich nur 24 Prozent der Befragten zu den “Lerchen” zählen, 41 Prozent rechneten sich dagegen dem Spät-Typ zu. Viele Manager leiden auch deshalb unter Schlafstörungen, weil sie zu wenig auf die Signale ihres Körpers achten – oder weil Ihr straffer Zeitplan ihnen einfach nicht die Möglichkeit dazu lässt.


Schlaftypen bei Managern


Ob Sie eine “Lerche” oder eine “Eule” sind und sich in Ihrer Tagesplanung danach richten, beeinflusst in sehr hohem Maße Ihre Leistungsfähigkeit. Welcher Schlaftyp sind Sie?





Bildnachweis:
©iStockphoto.com/GeorgeRudy

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