Vom klugen Umgang mit Hierarchien – Die Regeln im Spiel um die Macht

von Katharina Daniels
Frauen haben keine Lust auf Macht? Vielleicht liegt es einfach daran, dass so manche Spielregel im Aufstiegspoker um die Macht Frauen nicht so geläufig ist, wie männlichen Alphatieren.

Ein Spiel und seine Spielregeln aber sind erlernbar – und machen dann auch richtig Spaß. Eben: Lust auf Macht!

Fachautorin Katharina Daniels stellt bei personal-erfolg.de in fünf Folgen fünf wichtige Strategien vor. Folge Eins beschäftigt sich mit Hierarchien.


Frau in FührungspositionNennen wir sie Luisa L. Sie hat eine Leitungsposition in einem internationalen Konzern, ist dort vor kurzem eingetreten.

Nachdem sie bei ihrem vorigen Arbeitgeber gekündigt hatte, weil sie von ihrem Chef gemobbt worden war. Weil sie ihm zu gute Leistung brachte, ihn zu übertrumpfen drohte – so ihre Sichtweise des Geschehens.

Das Unternehmen, in dem sie jetzt arbeitet, ist bekannt für seine offene und kollegiale Führungskultur.

Doch was geschieht hier? Schon nach rund einem Monat muss sie feststellen, dass ihr jetziger Vorgesetzter – selbst eine Stufe unter der Geschäftsführung – sie von grundlegenden Informationen abschneidet, ihr zunehmend kühler begegnet. Luisa L. überlegt bereits einen erneuten Jobwechsel.

Die Schlüsselszenen

Kleiner Rückblick, erste wichtige Szene: Luisa L. sitzt mit ihrem Vorgesetzten im Gespräch, sie erhält einen Anruf des Geschäftsführers dieses Konzerns, der ihre fachliche Expertise erbittet. Sie erteilt sofort Rat, ihr unmittelbarer Chef kommentiert das Geschehen nicht.

Zweite wichtige Szene: L. hält ihre erste große Firmenpräsentation, in der anschließenden Diskussion fasst ihr Vorgesetzter das Wichtigste nochmal zusammen, dabei unterläuft ihm eine kleiner fachlicher Fehler, L. korrigiert ihn.

Dritte wichtige Szene: Eine spontan einberufene kleine Firmenfeier der Geschäftsführung, ihr Vorgesetzter ist wegen Krankheit nicht dabei. L. erfährt von Spannungen zwischen ihm und dem Geschäftsführer. Sie ist richtig erleichtert: Andere haben also auch Probleme mit ihm. Am nächsten Tag bittet sie – ohne zuvor mit ihrem Chef selbst gesprochen zu haben – um eine Unterredung mit dem Geschäftsführer.

Empathie für den Chef zeigen

Einer der sensibelsten Bereiche in der Unternehmenshierarchie ist die Beziehung zum direkten Vorgesetzten. Möglicherweise gerade weil Frauen oft als zu emotional eingestuft werden, herrscht hier nicht selten der Irrglaube vor, das widerlegen zu müssen. Es zähle doch einzig die sachlich-fachliche Leistung: “Das muss der Chef doch sehen und anerkennen!” Muss er?

Und was ist mit seinen Empfindungen? So empathisch Frauen sich oft im Umgehen mit Mitarbeitern oder auch Kollegen zeigen, so wenig sensibel reagieren sie oft auf diffizile Machtgefüge “nach oben”. Oder gar mit Trotz: Ich verbiege mich doch nicht.

Frauen, die an die Spitze wollen, sind gut beraten, in den Kopf des Vorgesetzten zu schlüpfen. Und zwei ganz wichtige Regeln zu beachten:

  • Übergehen Sie Ihren Vorgesetzten nicht!

    Das hat Luisa L. hier gleich mehrfach getan, beim Anruf des Geschäftsführers hätte sie diesen freundlich darauf aufmerksam machen können, dass ihr Vorgesetzter im Raum ist und um die Möglichkeit bitten, nach kurzer Rücksprache mit ihrem unmittelbaren Chef zurückrufen zu dürfen.

    Der Geschäftsführer hätte das Signal verstanden und - vielleicht unbewusst – registriert, dass Luisa L. Hierarchien zu wahren weiß. Definitiv hat Luisa L. das Vertrauensverhältnis durch ihren Termin beim Geschäftsführer beschädigt. Sie hätte in jedem Fall ihren unmittelbaren Vorgesetzten zuerst um die Unterredung bitten müssen.
  • Widersprechen Sie Ihrem Vorgesetzten nicht vor Dritten!

    Im Vier-Augen-Gespräch ist selbstverständlich eine Gegenmeinung erlaubt, konstruktive Kritik erwünscht. Möglich auch in Abteilungsmeetings, wenn hier eine offene Diskussionskultur herrscht.

    Ansonsten ist größte Vorsicht geboten. Luisa L. hat durch ihre Kritik bei der Firmenpräsentation offen die Position, die Fachexpertise ihres Chefs untergraben. Bedenken Sie, wie Sie sich in der Haut des Chefs fühlen würden.In den sensiblen Machtgefügen eines Unternehmens ist Loyalität zum unmittelbaren Vorgesetzten oberste Prämisse.


Katharina Daniels, FachjournalistinKatharina Daniels, Mitautorin des Buches “Lust auf Macht”, ist Fachjournalistin und PR- und Kommunikationsberaterin.

Sie begleitet Führungspersönlichkeiten in ihrer öffentlichkeitswirksamen Darstellung.

Ihre Beiträge in diesem Blog skizzieren wichtige Aspekte des Buches, ohne textgleiche Auszüge des Buches zu sein.



Lust auf Macht
Wie (nicht nur) Frauen an die Spitze kommen

Autorinnen: Katharina Daniels, Andrea Och
Verlag: Linde
ISBN: 9783709304938
Preis: 19,90 Euro

Das Buch “Lust auf Macht” können Sie hier erwerben.


Frauen in Führungspositionen zu selten – Keine Lust auf Macht

Karriereleiter


Bildnachweis (in der Reihenfolge des Erscheinens):
©iStockphoto.com/Shunrei
Katharina Daniels

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