Auslaufmodell? – Was für ältere Arbeitnehmer spricht

ältere Arbeitnehmer

Der demografische Wandel macht auch vor dem deutschen Arbeitsmarkt nicht halt.

Immer mehr ältere Menschen zwischen 60 und 64 Jahren sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Nach Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit hat sich die Anzahl der Arbeitnehmer in dieser Altersgruppe seit dem Jahr 2000 immerhin verdreifacht.

1,44 Millionen Menschen der Generation 60 plus stehen in Lohn und Brot. Und die Tendenz ist – so Zukunftprognosen – eher steigend als fallend.

Arbeitsmarktforscher fordern deshalb ein Umdenken bei Arbeitgebern, Personalern und Arbeitsmarktvermittlern, denn sie können von der Lebens- und Berufserfahrung älterer Kollegen profitieren.

Experten halten sogar gemischte Teams für das Modell der Zukunft.

Ältere Arbeitnehmer sind qualifizierte Fachkräfte

Ein großes Problem auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist der wachsende Fachkräftemangel. Scheidet eine Fachkraft aus Altersgründen aus einer Firma aus, haben Personaler oft Schwierigkeiten, die frei gewordene Stelle angemessen neu zu besetzen.

Gleichzeitig liegt viel ungenutztes Potenzial hoch motivierter Senior-Arbeitnehmer brach.

Denn leider bekommen in deutschen Unternehmen ältere Arbeitnehmer über 50 auch bei hoher Qualifikation bei der Stellenbesetzung eher selten den Zuschlag.

Ein Widerspruch, der sich auf Dauer nur durch ein Umdenken der Personaler lösen lässt.

Netzwerk hat Lösungen parat

Doch gibt es schon gut funktionierende Netzwerke zur Vermittlung von Jobs und Projekten für ältere Arbeitnehmer.

So präsentieren etwa bei sentiso gut ausgebildete und hoch qualifizierte Experten mit langjähriger Berufserfahrung ihre Fähigkeiten, darunter Akademiker, Techniker und Handwerksmeister. Arbeitgeber finden dort also erfahrene Fachkräfte.

Als “Netzwerk für Projektarbeit von Fachkräften im Ruhestand” ist sentiso aber vor allem auf Senior-Experten im (Un-)Ruhestand spezialisiert und bringt Firmen und Arbeitskräfte nach Bedarf zusammen – eine Win-win-Situation für Arbeitgeber und Senioren, meinen die Betreiber des Netzwerks.
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Erfolgsfaktoren altersgemischter Teams

Was bedeutet es für die jüngeren Kollegen, wenn ein Unternehmen ältere Arbeitnehmer wieder verstärkt in den Arbeitsprozess einbindet? Ein klassisches Lehrer-Schüler-Verhältnis wäre wohl kaum gewinnbringend.

Arbeiten Alt und Jung in gemischten Teams zusammen, sollten beide Seiten voneinander lernen und sich weiterentwickeln, raten Arbeitsmarktexperten.

Spezialisten wie Ralf Overbeck fordern ein Generationenmanagement für Unternehmen. Ältere und jüngere Kollegen sollen in Projekten gemeinsam an einem Strang ziehen.

Denn auch Senioren können von den Jungen eine Menge lernen, etwa Flexibilität, das Arbeiten in flachen Hierarchien und den selbstverständlichen Umgang mit neuen Technologien.

Geht es um längerfristige rationale Entscheidungen und Planungen, sind die Älteren im Vorteil.

Ein großes Plus für die Unternehmenskultur sehen die Befürworter von Generationenmanagement in den sozialen Kompetenzen älterer Kollegen.

So sorgen lebenserfahrene Mitarbeiter für ein ausgeglichenes Arbeitsklima, glätten die Wogen bei Konflikten im Kollegenkreis und verhindern oder unterbinden Mobbing.

Damit übernehmen ältere Arbeitnehmer eine Vorbildfunktion und sorgen für Stabilität in der Firma.

Studie: Gemischte Teams schaffen Anreize

Dass sich auch ältere Arbeitnehmer in gemischten Teams wohlfühlen, zeigt eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.

Nur wenn Senioren mit jüngeren Kollegen zusammenarbeiten, bleiben sie länger im Berufsleben.

Bisher versuchten Firmen etwa mit verringerten Arbeitszeiten und Leistungsanforderungen, spezieller Weiterbildung oder Altersteilzeit für ihre älteren Beschäftigten Anreize zu schaffen.

Offenbar haben diese Maßnahmen aber keinen Effekt auf die Beschäftigungsdauer, fanden die Forscher heraus.


Sentiso ist ein Netzwerk für Projektarbeit von Fachkräften im Ruhestand.

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Wie wichtig ist Generationenmanagement? Der Generationenexperte Ralf Overbeck vermittelt zwischen älteren und jüngeren Arbeitnehmern.

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Bildnachweis (in der Reihenfolge des Erscheinens):

istockphoto.com / pixdeluxe (Teaserbild)
istockphoto.com / win247
istockphoto.com / laflor
Screenshot www.sentiso.de
Screenshot www.generationenmanagement.info

4 Kommentare

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  3. Interessant ist bei der Betrachtung die in unterschiedlichen Kontexten höchst unterschiedliche Konnotation dessen, was alt ist und was jung. In der Politik geht ein Mittvierziger glatt noch als junger Wilder durch, in den Personalabteilungen noch der meisten Unternehmen beginnt hier bereits die Zuschreibung des Attributs ällterer Arbeitnehmer, assoziiert oft mit Begriffen wie geringerer Leistungsfähigkeit und Flexibilität. Und da werden oft eher ältere Arbeitnehmer hinausgeekelt und zugleich das große Lamentieren über den Fachkräftemangel erhoben. Wobei die Fachkraft dann automatisch mit Jung assoziiert wird.

    In den USA gibt es für das Phänomen, sich gegen Altergrenzen für das abhängig beschäftigte Erwerbsleben und überhaupt für Arbeiten weit über den sog. Ruhestand hinaus zu engagieren, bereits den Begriff des Ageism. Einer der beiden jüngst Nobel-Preis Nominierten Physiker sagte, er würde ja gerne an einer deutschen Uni lehren, dort aber sei es ihm mit seinen fast an 80 untersagt, in den USA nicht.

    Nun, natürlich ist es sehr von der Art der Arbeit abhängig, ob ein Mensch darin auch weit über den sog. Ruhestand hinaus Erfüllung findet. Das Grundproblem liegt wie so oft in starren Regeln, die eben immer in sich bergen, dass das, was für den einen erstrebenswert für den anderen Horror ist.

    Was nun das Zusammenarbeiten in altersgemischten Teams angeht, so ist dies fraglos ein sehr guter und wichtiger Ansatz, allein schon aus hirnphysiologischen Erkenntnissen heraus. Kognitive Prozesse verlaufen beim Älteren anders, die Aufmerksamkeitspunkte für das Erfassen gänzlicher neuer Reize liegen weiter auseinander, das Metronom des Älteren ist langsamer, wie es der Emeritus und Neuropsychologe Ernst Pöppel ausdrückt. Dafür bildet sich in den Zwischenräumen oder auch Zwischenzeiten der Aufmerksamkeitspunkte ein Vielfaches an Kombinationsmöglichkeiten; das, was wir als Erfahrungswissen bezeichnen und was uns in uns bekannten Situationen ausgesprochen schnell zu einem sehr präzisen Urteil verhilft. Unter anderem solche Prozesse beschreiben wir in unserem Buch zu Um- und Aufbrüchen in der Lebensmitte: http://www.sieg-der-silberruecken.de

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